Kinder verstehen mit Herz, Kopf und Bauch

Zur Bedeutung von Schwangerschafts- und Geburtserfahrungen für die Pädagogik

Das Projekt “Kinder verstehen mit Herz, Kopf und Bauch” möchte den Blick auf die Bedeutung von Schwangerschafts- und Geburtserfahrungen von Kindern lenken. Und versteht sich als Erweiterung aktueller pädagogischer Konzepte.

Im Zentrum steht dabei der Einfluss früher Erlebnisse auf das kindliche Temperament. Probematische Verhatensmuster bei Kindern sind in Ihrem Kern oft Notreaktionen, einst überlebenswichtig, haben sie inzwischen ihre Funktionaliät verloren. Oft gehen sie bereits auf Erlebnisse während der Schwangerschaft und Geburt zurück.
Gleichzeitig können frühe Erlebnisse in dieser Zeit eine Quelle von Ressourcen sein, von besonderen Fähigkeiten und Stärken, die jedes Kind, jeden Menschen, auszeichnen und von anderen unterscheiden.

Die Erweiterung des pädagogischen Blickes um diese Dimension vermag einen wichtigen Beitrag zu einer guten Betreuungsqualität zu leisten. Insbesondere dadurch, dass ein tieferes Verständnis der Wurzeln kindlichen Verhaltens eine empathische unterstützende Haltung auch in sehr fordernden Situationen erleichtert und neue Wege im Umgang mit Kindern möglich macht.

Aufbau und Hintergrund der Fortbildung

Die Bedeutung früher Erfahrungen wird anhand dreier Grundbedürfnisse erarbeitet, die verschiedenen Körperzentren zugeordnet werden können.

· das Herz-Bedürfnis nach Beziehung, Liebe, Versorgung und Verbundenheit
· das Kopf-Bedürfnis nach Wissen, Orientierung und Sicherheit
· das Bauch-Bedürfnis nach Autonomie, Abgrenzung und Selbstbehauptung

Die so entstehende Struktur – Herz/Kopf/Bauch – ermöglicht eine erfahrungsnahe Vermittlung der relevanten Konzepte und erleichtert den konkreten Bezug zur pädagogischen Arbeit.

Empirische Untersuchungen aus der Prä- und Perinatalen Psychologie und Medizin legen nahe, dass diese drei Zentren in verschiedenen Phasen der Schwangerschäft und des Geburtsverlaufes sehr charakteristische Prägungen erfahren können.
So spielt z.B. in der pränatalen Zeit die Versorgung durch die Plazenta eine zentrale Rolle, die das Kind maßgeblich durch sein eigenes Herz– Kreislaufsystem reguliert.  Qualität und Suffizienz der Versorgung stehen im Mittelpunkt. Während der eigentlichen Geburt wird das Thema Sicherheit zentral. Der Kopf muss geschützt werden, das Gehirn darf keinen Sauerstoffmangel erleiden. Kritische Situationen in der Übergangs- und Austreibungsphase, der Geburt prägen unser Gefühl von Sicherheit. Viele Angst Themen haben bereits hier ihre ersten Wurzeln.
Die Austreibungsphase ist geprägt durch den Einsatz der eigenen Kraft (insbesondere auch der Bauch, Becken und Beinkraft). Das Kind erlebt im Idealfall, dass es durch seine eigene Kraft – unterstützt durch die Präsenz und Kraft der Mutter – den Übergang in die neue Welt selbst vollzieht. Dass die Wahrnehmung der eigenen Selbstwirksamkeit und der spätere Umgang mit Übergängen (sei es nun der Besuch des Kindergartens, eine Trennung oder der Wechsel des Arbeitsplatzes oder Wohnortes) entscheidend vom Erleben dieses ersten großen Überganges gefärbt wird, liegt nahe.

Die Arbeit mit diesen grundlegenden Prägungen hilft das Verhalten von Kindern, aber auch eigene Verhaltensmuster besser zu verstehen. Die Mentalisierungs-Forschung der letzten Jahre hat belegt, dass ein mitfühlendes Verständnis für sich selbst und für die Reaktionen und Nöte der Kinder einer der wichtigsten Wirkfaktoren in der padagogischen und therapeutischen Arbeit ist.

Forbildungsformate und Referenzen

“Kinder verstehen mit Herz, Kopf und Bauch” ist ein seit einigen Jahren bewährtes Fortbildungskonzept für pädagogische Fachkräfte. Seit 2013 leite ich dieses Angebot unter anderem jährlich für die ev. Familienbildungsstätte Wolfsburg in Form dreier Tagesseminare im Abstand von jeweils 4 Wochen (Herz, Kopf, Bauch). Natürlich sind auch ein- oder zweitägige Seminare möglich. Brigitte Kieß-Backhaus (05361 28-2862) und Heide Bromann (05361 28-1573) von der KITA- Fachberatung Wolfsburg stehen Ihnen auch für eventuelle Fragen zur Verfügung.

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Psychosoziale Prävention der Universitätsklinik Heildelberg leite ich – auf Grundlage dieser Konzeption – die mehrtägigen Selbsterfahrungsgruppen für ErzieherInnen und für die Multiplikatoren im Rahmen des Pilotprojektes “Frühe Hilfen Plus”. Die Kurse wurden durchgängig sehr gut von den ErzieherInnen evaluiert:
„Die gesamte Zufriedenheit mit dem 3-tägigen Selbsterfahrungskurs wurde mit einem Mittelwert von 4,76 [von 5] als sehr hoch eingeschätzt. Die an der Selbsterfahrung teilgenommenen ErzieherInnen empfanden die Selbsterfahrung nicht nur als sehr hilfreich für die Krippenarbeit mit den Familien, sondern auch als sehr hilfreich für die eigene Person.“
Zitat aus dem Abschlussbericht des Instituts für Psychosoziale Prävention des Universitätsklinikums Heidelberg, 2016 (Veröffentlichung für 2017 geplant).

Für Fragen stehe ich Ihnen gerne unter +49/5563/960548 zur Verfügung.
Ich freue mich über Ihr Interesse!